Seit fünf Monaten sei der neue Stadtrat gewählt und die Frage der etablierten Stadtratsparteien sei allein, wen man durch entsprechende Vereinbarungen, Absprachen und Kuhhändel auf welchen Posten hieven und versorgen könne, so Prof. Dr. Bernd Richter, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler. Befähigung, Qualifikation, fachliche Kenntnisse, Erfahrungen und Persönlichkeit von Bewerbern würden nicht weiter diskutiert. Mit dem Signal, dass eine Besetzung der Positionen für Bürgermeister und Dezernenten nach Parteibuch erfolge, und die Qualifikation keine Rolle spiele, habe man die Bewerbungen fachlich ausgewiesener Bewerber ohne strikte Parteibindung verhindert. Ob man durch die Wiederwahl von Bürgermeister Breuer 400.000 € spare oder nicht, spiele offenbar keine Rolle. Die Botschaft an qualifizierte Bewerber bleibe, dass man sich den Aufwand für eine Bewerbung und die Briefmarke für die Übersendung sparen könne. Für eine Landeshauptstadt ist dies peinlich und unwürdig.
Der Attraktivitätsfaktor für herausragende Führungspositionen der Landeshauptstadt Saarbrücken tendiere offenbar gegen null, was die dürftigen Bewerberlisten belegen. Für eine Landeshauptstadt, die eine exorbitante Verschuldung schultern muss, vielfältige Probleme zu bewältigen hat und sich den Herausforderungen der Zukunft muss, sei dies ein Armutszeugnis.
CDU und FDP hätten vorschnell vor einer möglichen rot-rot-grünen Mehrheit kapituliert und versäumt, entsprechend qualifizierte und fachlich ausgewiesene Persönlichkeiten zu motivieren, sich für diese herausragenden und sicher extrem fordernden Positionen zu bewerben. Insbesondere für die Position des Finanzdezernenten sei dies unverzichtbar. Wir müssen wieder auf das Prinzip der Bestenauslese zurückkommen und dies bedeute: Qualifikation vor Parteibuch. Man appelliere daher an die Verantwortung jedes einzelnen Stadtratsmitgliedes, sich ausschließlich von den Kriterien Vernunft und Qualifikation leiten zu lassen. Eine neuerliche Ausschreibung für die Dezernentenpositionen sei bei der gegenwärtigen Bewerberlage insbesondere in Bezug auf einen Finanzdezernenten/in wohl unverzichtbar, so Richter abschließend.